Logokürzel Alte Feuerwache Mannheim

Lizz Wright

18. April 2018
Mittwoch

Einlass 19:00
Beginn 20:00

Ticket
VVK 35 € zzgl. Gebühren / AK 40 €


Enjoy Jazz Summer

Grace Tour 2018
»Und was für eine Stimme das ist – tragend und voller Wärme ist sie, mit sanften Schwüngen formt sie eine unscheinbare Phrase wie ein Töpfer, der einen Lehmklumpen zum Gefäß modelliert. Lernen kann man das nur bedingt. Es muss einem gegeben sein.« suedkurier.de

„Grace“

Als Lizz Wright vor drei Jahren das erste Mal für Concord Records ins Studio ging, schlugen ihr die Verantwortlichen ihres neuen Labels vor, ein ganzes Album mit Coverversionen aufzunehmen. Doch Wright hatte anderes im Sinn und spielte unter der Regie von Produzent Larry Klein das Album “Freedom & Surrender” ein, dessen Repertoire sich überwiegend aus Originalen zusammensetzte. “Alles hat seine Zeit”, erklärt die Sängerin damals. “Coversongs aufzunehmen ist, als würde man nach einer intensiven Recherche eine gute Hausarbeit abliefern. Das kann wirklich überraschend und auf gewisse Weise sehr kreativ sein.” Nun ist offenbar die Zeit gekommen, dies zu beweisen. Allerdings wollte Wright nicht ein Album mit x-beliebigen Coverversionen aufnehmen, sondern legte sich vorab auf das Leitmotiv “Grace” (Gnade oder auch Anmut) fest.

Für das Programm des Projekts ließ sie sich von dem Songwriter und Produzenten Joe Henry rund 70 Vorschläge machen, aus denen schließlich neun Stücke für das Album herausgefiltert wurden: Songs von Größen wie Ray Charles, Allen Toussaint, Nina Simone, Sister Rosetta Tharpe, k.d. lang, Bob Dylan, Frank Perkins und Mitchell Parish, aber auch von aufstrebenden Künstlern wie Rose Cousins und den Birds of Chicago. Die ausgewählten Stücke spiegeln Wrights ländlichen Background wider, aber auch ihre Entwicklung zum internationalen Jazzstar. Und sie enthüllen das Wurzelnetzwerk der Geschichten und Songs, das die vielfältigen Traditionen miteinander verbindet, die die Seele des US-amerikanischen Südens ausmachen. Bisher hatte Lizz Wright die Titelstücke für ihre Alben stets selbst komponiert. Doch diesmal machte sie eine Ausnahme, als sie Rose Cousins’ wunderbaren Song “Grace” hörte, der ihr aus der Seele sprach. Komplettiert wird das Repertoire durch das Stück “All The Way Here”, das Wright zusammen mit Maia Sharp selbst komponierte.

“Lizz und ich sind nun schon seit fast fünfzehn Jahren Freunde”, sagt Joe Henry, der bereits 2004 einen seiner eigenen Songs zu ihrem zweiten Album “Dreaming Wide Awake” beigesteuert hatte. “Ich habe sehnsüchtig auf die Chance gewartet, endlich mit ihr zusammenzuarbeiten. Denn sie verleiht ihrer Menschlichkeit auf so kraftvolle Weise Ausdruck. Es war und bleibt eine Ehre, für Lizz den Kundschafter auf der Reise von ‘Grace’ gespielt zu haben. In solch düsteren Zeiten sind wir als Musiker alle dazu aufgerufen, Brutalität mit wilder und umfassender Schönheit zu beantworten.”

Aufgenommen wurde das Album in Los Angeles auch mit einer ganzen Reihe alter Freunde, die man teils schon von Wrights früheren Alben kennt. Da ist zunächst einmal der in Atlanta beheimatete Pianist und Chorleiter Kenny Banks Sr., mit dem Lizz schon seit zwanzig Jahren zusammenarbeitet, dann die Gitarristen Chris Bruce und Marvin Sewell, Keyboarder Patrick Warren, Bassist David Piltch und Schlagzeuger Jay Bellerose. Als Gast gibt sich außerdem Gitarrist Marc Ribot die Ehre. Und in drei Stücken (“Grace”, “What Would I Do” und “Seems I’m Never Tired Lovin’ You”) wird Wrights ausdrucksvolle Stimme noch durch einen von Banks geleiteten Kirchenchor aus Atlanta verstärkt.

Das Album beginnt Lizz Wright allerdings auf sehr asketische und unter die Haut gehende Weise mit einem Stück, das auf einer traditionellen, simplen Bluesform basiert. “Barley” stammt aus der Feder der jungen Band Birds of Chicago, deren drittes Album “Real Midnight” Joe Henry vor einem Jahr produziert hatte.

Besondere Inspiration für das gesamte Album bezog Lizz Wright aus dem hochgelobten Dokumentarfilm “What Happened, Miss Simone?”, in dem Nina Simone in einem Interview-Segment sagt: “Es ist die Pflicht eines Künstlers, auf die Zeiten zu antworten.” Das Stück “Seems I’m Never Tired Lovin’ You” münzt Wright in ein geduldiges und liebevolles Statement über ihr Leben als US-Amerikanerin im Jahr 2017 um. Geschrieben wurde die Nummer, die Simone 1968 für ihr Album “Nina Simone And Piano” aufnahm, von Carolyn Franklin, der jüngeren Schwester der großen Aretha.

In “Singing In My Soul” verleiht sie wiederum Sister Rosetta Tharpes Überzeugung Ausdruck, dass es Lieder gibt, die man in der Welt jederzeit und den Zeiten zum Trotz singen kann. Mit Allen Toussaint arbeitete Joe Henry nicht nur mehrfach als Produzent zusammen, die beiden waren auch über Jahre hinweg eng befreundet. Für “Grace” wählte der Produzent aus der Kompositionsschatzkiste der New-Orleans-Legende das Stück “Southern Nights” aus, das wirkt, als wäre es eigens für Lizz Wrights Stimme geschrieben worden.

Durch Ray Charles’ “What Would I Do” erhält das Album danach eine gute Portion swingendes Georgia-Gospel-Feeling. Kenny Banks Sr. kann hier auf seinen reichen Erfahrungsschatz als Kirchenpianist und Chorleiter zuurückgreifen. Mit “Stars Fell On Alabama” präsentiert Lizz Wright zudem einen überaus populären Jazzstandard von Frank Perkins und Mitchell Parish aus dem Jahr 1934.

Mit “Every Grain Of Sand” trägt Wright eines der poetischsten Lieder von Bob Dylan vor, zu dem der Songwriter durch das Werk “Auguries of Innocence” des englischen Dichters William Blake inspiriert wurde. In ihrer Interpretation von k.d. lang’s “Wash Me Clean” kombiniert Wright Sinnlichkeit mit Spiritualität, bevor sie das Album mit der Eigenkomposition “All The Way Here” beschließt.

Die Art und Weise wie sich Lizz Wright die sehr verschiedenen Songs von “Grace” angeeignet hat, ist wirklich von Anfang bis Ende beeindruckend. Denn wenn man es nicht besser wüsste, käme man kaum auf die Idee, dass es sich bei den Stücken fast ausschließlich um Coverversionen handelt. Die Sängerin hat hier, um auf das eingangs wiedergegebene Zitat zurückzukommen, nicht nur eine “gute”, sondern eine wirklich “exzellente Hausarbeit” abgeliefert.

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