Logokürzel Alte Feuerwache Mannheim

Stadt.Wand.Kunst

Stadt.Wand.Kunst ist ein Projekt der Alten Feuerwache Mannheim, der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG und Montana Cans in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Mannheim; von 2014 bis 2018 gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Seit 2013 lädt Stadt.Wand.Kunst jeden Sommer bekannte nationale und internationale Streetart-Künstler nach Mannheim ein, um sogenannte „Murals“ – großformatige Wandgemälde – an Hausfassaden anzufertigen. Ziel von Stadt.Wand.Kunst ist es, Mannheims graue Mauern zu einer öffentlichen Galerie zu machen und das erste frei zugängliche Museum für Fassadenkunst in ganz Baden-Württemberg zu errichten: Die OPEN URBAN ART GALERY MANNHEIM! Die BürgerInnen und BesucherInnen der Stadt Mannheim können den Entstehungsprozess dieser gigantischen Kunstwerke live mitverfolgen und die fertigen Werke jederzeit aufsuchen.

Die Entstehung der Werke kann auf der Stadt.Wand.Kunst-Facebookseite mitverfolgt werden: https://www.facebook.com/stadt.wand.kunst/ Alle aktuellen Aktionen, Murals, Künstler, Hintergrundstories, Videos und Bilderstrecken finden Sie auf: stadt-wand-kunst.de

Daneben unterstützt Stadt.Wand.Kunst die Nachwuchsförderung und die Stärkung der Szene vor Ort, wie z.B. beim Projekt „Farbe für Franklin“ mit SWEETUNO, MEINER sowie HOMBRE SUK & BOOgIE (2015), Mehrdad Zaeri (2016), SOURATI (2018), JENS RICHTER (2019) oder CZOLK (2019). 

Bisher sind 31 Murals folgender Künstler entstanden: HERAKUT (Frankfurt/ Schmalkalden, 2013), ASKE (Moskau, 2014), SATONE (München, 2015), STOHEAD (Berlin, 2015) und SOBEKCIS (Belgrad, 2015) sowie HOMBRE&Boogie*, MEINER* und SWEETUNO* (Mannheim, Heidelberg 2015), SAINER (Polen, 2016), MEHRDAD ZAERI (Iran/Mannheim, 2016)**, BEZT (Polen, 2016), Hendrik ECB Beikirch (Koblenz, 2016), Alexey LUKA (Russland, 2017), YAZAN HALWANI (Beirut, 2017), NEVERCREW (Schweiz, 2017), LOW BROS (Berlin, 2017), HOMBRE SUK (aus Mannheim in Amman/Jordanien, 2018), 1010 (Hamburg, 2018), WAONE INTERESNI KAZKI (Kiev, 2018), THE LONDON POLICE (Amsterdam, 2018), SOURATI (Mannheim, 2018), FRAU ISA (Wien, 2018), EGS (Helsinki, 2018), SOURATI (aus Mannheim in Amman/Jordanien, 2019), PEETA (Venedig, 2019), RUBEN SANCHEZ (Spanien/Dubai, 2019), JENS RICHTER (2019), CASE MACLAIM (Frankfurt, 2019), QUINZESSENZ (Berlin und Hannover, 2019), OKUDA (Madrid, 2019) und CZOLK (Mannheim, 2019).

Im Mannheimer Stadtgebiet existieren aktuell 24 Murals (Stand 9. Oktober 2019), davon acht in den Quadraten. Zwei weitere befinden sich in Amman/Jordanien. Die Wandgemälde sind von 2013 bis 2019 in der Mannheimer Innenstadt, der Mannheimer Neckarstadt, Wohlgelegen, der Vogelstang und auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne Benjamin Franklin Village entstanden. *Diese fünf Wände wurden wie geplant wieder abgerissen.

Hier gelangen Sie zur Mural Map.

Stadt.Wand.Kunst-Führungen

Die Tourist Information Mannheim bietet eineinhalbstündige Führungen zu den Murals in der Mannheimer Innenstadt an. Die Termine für 2019 sind:

  • Sa., 02.11.2019, 14.00 Uhr
  • Sa., 09.11.2019, 14.00 Uhr

Infos & Anmeldung unter 0621 293-8700 oder www.visit-mannheim.de.

  • Preis: 8 € für Erwachsene, 6 € für Kinder (6-14 J.)
  • Anmeldung erforderlich

Das sind die bisherigen Stadt.Wand.Kunst-Künstler und ihre Murals:

Das Mural des Mannheimer Künstlers CZOLK, das vergangene Woche neben der Jugendkirche Samuel im Jungbusch entstand, zeigt eine friedliche Sommerabend-Stimmung und den Moment, in dem die Mutter die Kinder zum Essen ins Haus ruft. Über das Motiv hat sich CZOLK, der an der Mannheimer Hochschule Design studierte, lange den Kopf zerbrochen und mehrfach im Vorfeld seinen Wirkungsort aufgesucht, um Stimmungen einzufangen und sich vor Ort Gedanken machen zu können. Und so finden wir in „Fenster zum Hof“ nicht nur die Bezugsfarben aus der direkten Nachbarschaft wieder (die Grundfarbe der Kirche, das Türkis der Moschee, das Beige des Balkons nebenan, der Sandstein gegenüber etc.), sondern sehen in dem Motiv auch eine Hommage an den Jungbusch und die Beilstraße, in der das Leben auf der Straße stattfindet und jeder jeden kennt.

Der Titel „Fenster zum Hof“ ist nicht angelehnt an den Hitchcock-Klassiker, sondern an das erste und einzige Album der Heidelberger Rapper Stieber Twins, dem ersten Deutschrap-Klassiker überhaupt. Für CZOLK bedeutet dieser Verweis einen Rückbezug zu seiner Jugend und der deutschen HipHop-Kultur.

Neu bei STADT.WAND.KUNST und nicht zu übersehen – das frischgemalte Mural von OKUDA erleuchtet die Hochuferstraße in Herzogenried. Die gerade fertiggestellte Arbeit des spanischen Künstlers und seiner zwei Assistenten beeindruckt Betrachter*innen in ihrer Größe, Farbpracht und mit einer klaren Aussage, die OKUDA nicht schwarz auf weiß sondern, wie man es von ihm kennt, knallbunt auf grau im Stadtbild hinterlassen hat. Innerhalb weniger Tage, in denen Kran und Künstler nicht still standen, haben OKUDA und sein Team das nächste großartige, großformatige Mural im Rahmen von STADT.WAND.KUNST 2019 erschaffen. Freestyle vor Ort entwickelt aber auf den Punkt umgesetzt, wie von langer Hand geplant – spanische Leichtigkeit. Im Zentrum des Bildes stehen zwei sich aneinanderschmiegende Frauen in einer blumigen Umgebung, einer Welt aus bunten Pflanzen und Tieren, die in ihrer Pracht eher an südliche Flora und Fauna als an nordeuropäische Hochhaussiedlungen erinnert. „Girlslove“ ist der Titel des aktuellen Werkes von Okuda.

Mit Stadt.Wand.Kunst auf neuen Wegen, Formen und Farben! Zum ersten Mal wurden für das Mannheimer Streetart-Projekt zwei Wände als ein Kunstwerk gestaltet und zum ersten Mal diente dabei ein klassisches Ölgemälde als Vorlage. Tomislav Topic des Künstlerkollektivs QUINTESSENZ, das sich 2008 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim formierte, stand in Mannheim vor einer besonderen Herausforderung: seine beiden Lieblings-Ölgemälde („Stories & Tales“, 2018, je 1×1 Meter) als Neu-Komposition aber gleichzeitig so original wie möglich auf die Wände zu bringen, d.h. den Duktus der Ölmalerei mit den charakteristischen unterschiedlichen Schichten mittels Sprühdose, Roller und Pinsel zu erhalten.  QUINTESSENZ sind von Haus aus künstlerisch sehr breit aufgestellt: Sowohl im Graffiti als auch der Farblehre beheimatet variieren und verbinden QUINTESSENZ gekonnt Film, Installation, Grafik und Malerei. Auch das Gestalten von Wandbildern gehört zu ihrem Repertoire. Ihre Kunst schafft formal Raum für die Farbe. Farbe ist für QUINTESSENZ jedoch nicht nur bloße Form, sie ist ihr Inhalt gleichermaßen. Und so lassen QUINTESSENZ der Farbe freien Lauf.

Die zwei nebeneinander stehenden Häuserblocks SQUARE (*smart quarter and urban area reducing emissions) der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG als Modellprojekt für klima- und energieoptimiertes Wohnen und Leben auf dem Areal des Benjamin-Franklin-Villages bieten dafür den idealen Rahmen: Die ursprünglich vor allem in Rottönen gehaltenen Ölmalereien hat Topic im Vorfeld digital in unterschiedlich große Quadrate und Rechtecke zerteilt und als zwei Collagen – primär in Blautönen umgewandelt – neu zusammengesetzt. Die Sprühdosen dienten laut dem Künstler vor allem dazu, Akzente mit besonderen Farbnuancen zu setzen. Und so finden sich kleine Flächen in warmen, strahlende Orange-, Gelb- und Violetttönen, die das Gesamtwerk in einer gleichzeitig wohlig-beruhigenden aber auch erfrischendem und wärmenden Wirkung erstrahlen lassen. „SQUARE“ – so auch der Name dieser Fassadenmalereien auf jeweils 140 Quadratmetern Wandfläche – ist pure Emotion, pure Ästhetik und einfach pure Farbe. „SQUARE“ schafft nicht nur Verbindung zwischen den beiden neben einander stehenden Gebäuden und lässt diese näher zusammen rücken, es schafft auch diese wunderbare Verbindung von Bau und Kunst.

„SQUARE“ von QUINTESSENZ ist zu sehen auf FRANKLIN in der George-Washington-Str. 243-253 (Rückseite). Die Fertigstellung der Gebäude und damit auch die komplette Sichtbarkeit der Wandbilder ist für diesen Oktober vorgesehen.

„SQUARE“ von Quintessenz auf Franklin

STADT.WAND.KUNST 2019 ist in Bewegung! Nachdem die Woche zuvor schon Jens Richter sein Mural für Mannheims Freiluftgalerie urbaner Kunst fertigstellte, machte sich, parallel dazu, der Künstler Andreas von Chrzanowski, auch bekannt als CASE, ans Werk. So machen wir stilistisch innerhalb von nur wenigen Tagen einen großen Schritt von illustrativer- zu fotorealistischer Malerei. Es sind genau diese Sprünge zwischen den Stilen, die großformatige Mural Art und damit auch STADT.WAND.KUNST als Erlebnis so abwechslungsreich machen. Diese Kunstform vereint verschiedenste Einflüsse, Herangehensweisen und Techniken im Kontext, der die unterschiedlichsten Künstler/innen vor ähnliche Herausforderungen stellt. Konzeptuelle Hürden von Größe, Beschaffenheit und Umgebung werfen Fragen auf und werden im Gesamtbild auf unterschiedlichste Art beantwortet. So gleicht kein Bild dem Anderen und individuelle Stile unterscheiden sich in ihrer Wirkung durch Orte und deren Stimmung. Mit dem in Frankfurt lebenden CASE trat nun ein Künstler seinen Weg nach Mannheim an, der seit Jahren seine eigenen Ziele anstrebt, obwohl seine künstlerischen Wurzeln in einer Gruppe, als Teil der Graffiti-Crew MA’CLAIM, liegen. Auf Solopfaden verwandelt er starre Fassaden zu lebendigen Bildwelten, die zwar fotorealistisch umgesetzt sind, aber in ihrer Komposition einen hohen Abstraktionsgrad erreichen, der Betrachter/innen zu spannenden Entdeckungen einlädt – sowohl thematisch als auch maltechnisch. Eines seiner großartigen Bilder hat CASE nun für STADT.WAND.KUNST in Mannheim hinterlassen. Auf der Fassade der Turnhalle des Ludwig-Frank-Gymnasiums in Wohlgelegen erzählt es von Bewegungen, von Richtungen, vom Vorangehen und Nachlaufen. Wie alle Kunstwerke bei STADT.WAND.KUNST lässt sich auch dieses Meisterwerk urbaner Kunst am besten in voller Größe, live vor Ort, entdecken und interpretieren. Sie finden das Mural in der Käfertaler Str. 117 in 68167 Mannheim – just in CASE!

„PIED PIEPER“ von CASE MA’CLAIM an der Turnhalle des Ludwig-Frank-Gymnasiums in der Käfertaler Str. 117 in 68167 Mannheim

Einen Fisch hat der Mannheimer Künstler Jens Richter uns an die 26 Meter lange Wand in der Unterführung des Mannheimer Hauptbahnhofs gemalt. Ruhig und besonnen treibt er da – nein, nicht im Wasser, sondern im lichten Wald – vor sich hin: Im Vordergrund sehen wir mehrere schlichte Baumreihen, bzw. nur die Stämme von Bäumen, die Birken sein könnten. Sie reichen weit in die Tiefe, so weit, dass wir hinter den letzten sanften Silhouetten schon fast das Rheinufer sehen müssten. Der lange, schlanke Körper des Fisches mit langem Maul, ein Hecht wohl, ist in bedeckten, gefleckten Grüntönen gehalten und von einem hellgrauem Bauch und graublauen Rücken umrandet. Die strahlend orangenen und himbeerfarbenen Flossen setzen in Kombination mit den lebhaft-gelben Augen starke Akzente. Stilistisch könnte man dem Bild des mixed media-Künstlers — wie sich Jens Richter selbst bezeichnet — einen illustrativen, fast schon comic-haften Charakter zuschreiben.
Auch wenn Jens Richter in seiner Motivwahl frei war, so war es ihm doch ein Anliegen, bei der Entscheidung die Umgebung miteinbeziehen. Zwei Flüsse fließen durch Mannheim und sein Kunstwerk ist nun Teil des Mannheimer Hauptbahnhofs, durch den täglich 120.000 Menschen strömen. Daraus wurde „Unterwegs“. Unterwegs heißt für Richter, nicht zuhause zu sein, seine Komfortzone zu verlassen. Deshalb schwimmt der Fisch nicht unter Wasser, sondern eben zwischen Bäumen. In einer Art Zwischenwelt, wie es auch ein Bahnhof ist. Je nach Perspektive macht das Motiv sogar den Anschein einer Unterwelt: Eine Etage darüber sieht man rote Regionalbahnen einfahren und Zugreisende in Scharen vorüberziehen. Auch dafür steht Mannheim, für mehrere Welten innerhalb einer Stadt.
Mit Zollstock und Bleistift, Pinsel und Sprühdosen, Hebebühne und viel Musik auf den Ohren, um der monströsen Geräuschkulisse aus dem metallenen Quietschen und Rattern der Züge, den Bahnhofsdurchsagen und den scheppernden Rollkoffern zu entfliehen, hat JENS RICHTER innerhalb von 10 Tagen und bei teilweise 40 Grad sein bisher größtes Wandgemälde geschaffen. Der Fisch scheint das geschäftige Treiben eines Großstadtbahnhofs sanft zu beobachten und füllt mit seinem wachen, freundlichen Blick diesen so unruhigen Ort mit einer Besonnenheit und Ruhe, die ganz unmittelbar spürbar sind. Das ist wahre Magie!

„Unterwegs“ von Jens Richter im Mannheimer Hauptbahnhof (Zugang neben Bahnhofsmission)

Auf der Fassade eines Mehrfamilienhauses in der Heustraße 13-17 strahlt uns seit Mitte Juli ein freundlicher Mix aus warmen Farben und abstrakten Formen entgegen. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir Arme und Beine sowie die Gesichter dreier Figuren: Eine hält eine große Blumenvase über sich, die beiden anderen spielen Gitarre und Trompete. All diese scheinbar wild übereinander geschichteten Elemente und Gliedmaße werden getragen von einem Fahrrad. RUBEN SANCHEZ alias SOONCHEZ hat uns dieses Mural in nur drei Tagen an die vierstöckige Wand in der Neckarstadt-West gebracht! Der 39jährige immer gutgelaunte, entspannte und kommunikative spanische Künstler hat seine Hausaufgaben also gemacht und im Vorfeld sowohl über die Mannheimer Stadtgeschichte als auch seine Bewohner recherchiert. Das Ergebnis heißt „Intercultural Balance“. Erste Ideen wie z.B. das Muster auf den Vasen hat er allerdings von seiner Reise nach Frankreich, von der er direkt zu uns gekommen ist, mitgebracht. Es sei inspiriert von Ornamenten auf Holztüren einer kleinen Dominikaner-Kapelle in Vence an der Französischen Riviera.

Zur Deutung des Motivs möchte SANCHEZ nur einige wenige Hinweise geben, keine 100%ige Interpretationsvorlage liefern. Er möchte vielmehr, dass jeder Betrachter das Bild Stück für Stück für sich selbst entdeckt. Aber so viel sei gesagt: Das Fahrrad und die Musik sind eine Metapher für Balance. Sie stehen für Toleranz, Respekt und Verständnis, in Mannheim und ganz Europa. „We are walking backwards“, meint RUBEN SANCHEZ im Hinblick auf den aktuellen, wachsenden Druck von rechts. Was Europa gerade brauche, sei Balance. Nur wenn in einer Band alle Musiker aufeinander achten, kann eine Harmonie, Melodie entstehen. Die drei Figuren verkörpern dabei unterschiedliche Identitäten, Nationalitäten und Charaktere. Das Fahrrad steht dafür, sich in die gleiche Richtung zu bewegen. Nur wenn alles im Gleichgewicht ist, kann es nach vorne gehen.

„Multicultural Balance“ ist seine Reaktion auf die Gegenwart, auf Mannheim. Auf die Frage, wie er es hier denn fand, antwortete er blitzschnell: „I wasn’t expecting THAT.“ Von der Kunsthalle über die Alte Feuerwache und die Neckarstadt bis hin zu all den unterschiedlichen Menschen, die ihm begegnet sind, zeigt sich RUBEN SANCHEZ schwer beeindruckt. Und ergänzt mit einem charmanten Augenzwinkern: „Maybe I‘ll move to Mannheim!“ Doch nach zwei Monaten auf (beruflichen) Reisen von Frankreich über Mannheim nach New Yersey und Dubai freut sich der Mann, der sich nach eigener Aussage immer auf „einer Reise ohne Ziel“ befindet, auf sein Zuhause in Barcelona.

Mit seiner Arbeit möchte RUBEN SANCHEZ Gefühle hervorrufen. Wir freuen uns über die – trotz ernstem Hintergrund – so positive Energie des Murals, mit der ab jetzt von der Heustraße aus über das Stadt.Wand.Kunst-Netz ganz Mannheim versorgt wird. Das tut einfach gut!

„Intercultural Balance“ von Ruben Sanchez in der Heustr. 13-17 in 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

Der venezianische Künstler Manuel Di Rita alias PEETA ist seit Anfang der Neunziger fester Bestandteil der italienischen Graffiti-Szene. Für seine perfekt ausgearbeiteten 3D-Styles und Trompe-l‘ œils (optische Täuschungen) ist der 38jährige weltweit bekannt. Seine Wandbilder, Leinwände und Skulpturen brechen klare, geometrische Formen auf zu temperamentvollen Metamorphosen aus Farbe und Form, aus Graffiti und abstrakter Malerei. Die Skulptur dient dabei als PEETAs Inspirationsquelle und wird zum wichtigen Mittel zum Zweck: sie stellt den direkten Kontakt zur Dreidimensionalität dar, um so die Regeln von Licht und Schatten  verstehen und sie reproduzieren zu können. Das Mural auf einem Mehrfamilienhaus in der Mannheimer Zehnstraße – eigentlich müsste man es aufgrund der Dreidimensionalität eher als überdimensionale Skulptur bezeichnen — hat die Fassade scheinbar zum Leben erweckt als hätten sich die Mauern geöffnet und das Leben sei aus dem Inneren nach außen gekommen. Ein gigantischer Stern scheint aus der Wand herauszubrechen, riesige Ringe wölben sich aus dem grauen Putz. Die Fenster verlieren sich in die Tiefe des Raums. PEETA hat es mit Hilfe seiner Frau Maria Larissa Handiani und mit Hebebühne, Pinsel, Rollen, Dutzenden Farbeimern und noch mehr Espresso geschafft, die statische Wirkung des Hauses innerhalb von nur einer Woche aufzubrechen, ohne die Substanz des Gebäudes zu verändern. Der studierte Industriedesigner ist ein Meister der perspektivischen Malerei. Das Spiel mit der Architektur von Gebäuden, deren Innerstes nach außen zu transformieren und dabei womöglich das Gesicht einer trostlosen Wohngegend aufleben zu lassen, machen für ihn den großen Reiz an der Fassadenkunst aus. Peeta hat inzwischen rund 50 Großfassaden rund um den Erdball zu räumlichen Phantasiewelten verwandelt, unter anderem in Australien, Portugal, Indonesien und Japan.

„Untitled“ von PEETA in der Zehntstr. 1, 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

„IMAGINE to believe in yourself and follow your dreams, children of Hashmi Shamali. IMAGINE to step beyond limitations and try something new, something your might be afraid of right now. IMAGINE to become a painter instead of an engineer, little Bader; to work as a doctor or pilot, little Shaheed although, no: because! you are a woman. May the silent smile and the special energy of this beautiful woman Christina Laube and Mehrdad Zaeri created give you strength in the next years. May the peace birds make your thoughts fly to places you are dreaming of now. May the encouraging example of a couple working together in your neighbourhood for five days make you realize that women and men are created equal, can be partners in private and professional life.“
Stadt.Wand.Kunst ist seit 2018 Kooperationspartner des Streetart-Festivals Baladk بلدك in Amman/Jordanien. Das Thema der diesjährigen Ausgabe lautete „inclusion“ und zielt vor allem auf die Gleichberechtigung von Frauen ab. SOURATI alias Christina Laube und Mehrdad Zaeri haben dort zwei Workshops gegeben: einen Workshop mit Jugendlichen in einem der ärmeren Viertel in East-Amman; daraus soll ein Malbuch entstehen. Der zweite Workshop wurde für jordanische Künstler veranstaltet. Vor allem aber haben SOURATI ein Mural in Amman hinterlassen, genauer gesagt im Viertel Hashmi Shamali. Es trägt den Titel „Imagine“.

„Imagine“ von Sourati in Amman (Jordanien)

  • EGS

Er ist der weltweit angesehenste finnische Graffiti-Künstler und hat jüngst Briefmarken der Finnischen Post mit Graffiti-Motiven gestaltet, will aber immernoch anonym bleiben. Im Januar 2018 bekam EGS mit „Writing Diary“ als erster finnischer Graffiti-Künstler eine eigene Ausstellung in der Taidehalli, der Kunsthalle Helsinki. Nun hat EGS im Auftrag von Stadt.Wand.Kunst das Mannheimer Einraumhaus am Alten Messplatz mit seinem neusten Werk „Old New World Order“, seiner ganz eigenen Weltkarte, versehen. Geographie und Weltkarten sind seit einigen Jahren das Lieblingsthema des Künstlers, der sich seit Beginn seiner Laufbahn vor 25 Jahren an 2000 verschiedenen Stellen in vielen großen Städten in 40 Ländern weltweit verewigt hat. Die Weltkarten von EGS sind absichtlich nicht korrekt dargestellt und speisen sich aus den Erinnerungen an seine unzähligen Reisen. Dabei üben vor allem Grenzlinien eine große Faszination auf den Kosmopoliten aus: „Lines define the way we see the world“ — Grenzen legen uns in unserem Denken über die Welt fest. Das Ziehen von Grenzen könne Konflikte lösen oder sie überhaupt erst auslösen. Die Botschaft von „Old New World Order“ ist ganz klar eine politische: Sich von der eigenen festgefahrenen Perspektive lösen, gedankliche Grenzen hinterfragen. Außerdem sprechen Karten für sich, jeder kann sie unabhängig von seiner Nationalität lesen.
Mit seinem Arbeitsplatz am Alten Messplatz war und ist EGS mehr als zufrieden, der Kontrast zwischen moderner Architektur und historischen Gebäuden war genau nach seinem Geschmack. Mannheim sei eine weltoffene Stadt, die offen für Veränderungen ist und in der Fremde willkommen sind: „For me it was the most beautiful place to paint!“

„Old New World Order“ von EGS am Einraumhaus am Alten Messplatz (Neckarstadt-West)

„Aeskulap“ von FRAU ISA in der Cheliussstraße 1-3 (Mannheim-Wohlgelegen)

Der abrissbedingte Abschied von Mehrdad Zaeris 2016 entstandenem Mural „Die Freiheitstesterin“ fiel schwer, aber die Trauer war nicht von langer Dauer. Inzwischen gibt es ein neues Wandbild des Künstlers in Zusammenarbeit mit seiner Frau Christina Laube in Mannheim zu bestaunen. Für STADT.WAND.KUNST 2018 gestaltete SOURATI, so der gemeinsame Name des Künstlerduos, nun eine Hausfassade in H5, 3, das auch einzelne Elemente des verlorenen Bildes „Die Freiheitstesterin“ wieder aufgreift. Das nun fertiggestellte Mural „Abschied und Neubeginn“ handelt, passend dazu, vom Verlassen und Ankommen. Es thematisiert das Leben der vielen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um in Mannheim einen Neubeginn zu wagen. Christina Laube und Mehrdad Zaeri, der selber vor Jahren mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland kam, haben diesen Neubeginn nun mit ihrer zweiten Arbeit für STADT.WAND.KUNST nicht nur auf großem Format illustriert, auch der Akt des Abrisses ihrer ersten Arbeit und die aufgegriffenen Elemente aus dem vergangenen Bild in ihrem neugeschaffenen, blühenden Mural sind ein Bestandteil des Werks, ein Neubeginn ohne das Verlorene vollkommen zurück zu lassen. Im Mittelpunkt des neuen SOURATI-Wandbildes steht ein blühender, prachtvoller Baum, der aus dem Rucksack einer jungen Reisenden entwächst. Auf ihrem Kopf liegt die Katze Umut Junior, benannt nach einem kurdischen Nachbarsjungen. Die Darstellerin trägt das Gewicht des Baumes, ihres tierischen Begleiters und des mitgeführten Koffers würdevoll, während auf ihrem Weg aus den Wurzeln ihrer Vergangenheit neues Leben erblüht. Umut heißt übrigens Hoffnung.

THE LONDON POLICE haben STADT.WAND.KUNST wörtlich genommen! Das große, großartige Wandbild zeigt im Hintergrund eine urbane Skyline aus figurativen Gebäuden im unverwechselbaren Stil des Künstlerkollektivs aus Amsterdam: comicartige, architektonische Illustrationen. Im vordergründigen Zentrum des Bildes stehen mit der fröhlichen Hundefamilie drei „LADS“-Character in Schwarz-Weiß, gekennzeichnet von klaren Formen und präziser Linienführungen – das kultige Markenzeichen von THE LONDON POLICE. Aus diesen beiden Styles erschaffen die Pioniere der globalen Street-Art-Bewegung seit den 90er Jahren liebenswerte Fantasiewelten, die in Form von Wandbildern, Zeichnungen und Aufklebern nicht nur das Amsterdamer Stadtbild, sondern inzwischen über 35 Länder weltweit schmücken. Mit ihrem Werk an der Kepler-Schule in K6,2 steuern die beiden nicht nur ein weiteres Highlight urbaner Kunst zu Mannheims Open-Air-Galerie hinzu, sondern mit ihrer Teilnahme auch ein Stück Street-Art-Geschichte. Das Mural mit dem Titel „900 dogs by a chocolate factory“ entstand in knapp 10 Tagen Mitte Juli und nicht nur der Mannheimer Schokoladengeruch, sondern auch die pralle Sonne, die die beiden Gründungsmitglieder Chaz und Bob und ihre Crewmitglieder Chinny und Douglas unerbittlich beschienen hat, hat es ins Wandbild geschafft.

„900 dogs by a chocolate factory“ von THE LONDON POLICE an der Kepler-Schule in K6,1 (Mannheimer Innenstadt)

Mitte Juli hat der ukrainische Künstler WAONE INTERESNI KAZKI sein Mural mit dem Titel „Jump through time“ in der Itzstraße 1-3 (Rückseite) in der Neckarstadt-West vollendet. Ursprünglich hatte er für das Motiv einen anderen Hintergrund vorgesehen, entschied sich aber dann vor Ort dafür, die Bäume der Umgebung mit ins Bild hineinzuholen. Einen „Master of Colours“ nannte ihn beim Anblick des Werkes eine etablierte Kunsthistorikerin, die im Auftrag der Mannheimer Touristinformation „Stadt.Wand.Kunst“-Führungen leitet. Zur Bedeutung dieser detailreichen, surrealen Bilderwelt möchte sich der zurückhaltende Künstler vorerst nicht äußern, er möchte dem Betrachter vielmehr eine völlig freie, persönliche Interpretation erlauben: „Im not writing any description about the work here. First, I want to give you freedom to interpret it by your own.“ Er selbst wolle die Idee hinter dem Bild in ein paar Tagen in den sozialen Medien preisgeben.
Nach Mannheim wird WAONE INTERESNI KAZKI weitere Murals in Kanada und Griechenland malen sowie eine Soloausstellung in Rom zeigen.

„Jump through time“ von WAONE INTERESNI KAZKI in der Itzsteinstr. 1-3, 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

Der in Hamburg lebende Künstler 1010 (TenTen) ist in den vergangenen Jahren zu einem international gefragten Urban-Artist avanciert. Geboren wurde er 1979 in Polen, als Kind kam er mit seinen Eltern nach Deutschland und sein erstes Piece malte er 1994 im Alter von 15 Jahren. Seine wahre künstlerische Berufung fand er nach jahrelangem Experimentieren im Jahr 2010; damals begann er mit der Entwicklung eines graphischen Konzepts von abstrakten Löchern auf Häuserwänden. Seine daraus entstehenden Kunstwerke sind so gut, dass sie schon so manchen Betrachter hinters Licht geführt haben. Mittels ausgetüftelter Farbabstufungen, perfekten Schattenspielen, den weichen Rändern und einem hohen Maß an Präzision erschafft 1010 eine astreine Dreidimensionalität und damit geniale optische Täuschungen. Seine sonderbaren Formen und Gebilde, deren einzigartige Ästhetik, die wahnsinns Effekte der graphischen Illusion – all das wirkt auf den Betrachter wie ein Tor zu einer anderen Welt.

Stadt.Wand.Kunst war im Mai 2018 in Kooperation mit dem Goethe-Institut zu Gast in Jordaniens Hauptstadt Amman, um sich an der sechsten Ausgabe des Streetart-Festivals „Baladk بلدك“ zu beteiligen. Der in Mannheim geborene Streetartist Hombre SUK verewigte sich und Stadt.Wand.Kunst mit seinem Mural „BALIM“. Hombre SUK gab außerdem einen Graffiti-Workshop an einer Schule für Geflüchtete und schwer erziehbare Jugendliche. Sören Gerhold, Geschäftsführer der Alten Feuerwache und Initiator von Stadt.Wand.Kunst, begleitete Hombre SUK und hielt vor begeistertem Publikum aus Künstlern, Fachpresse und Partner-Institutionen eine Präsentation über Mannheims Open Urban Art Gallery. Den Kontakt in den Nahen Osten und schließlich zum Baladk-Festival kam durch den libanesischen Künstler Yazan Halwani zustande, der vergangenen Sommer das Mural „The Inevitability of Leaving Things Behind“ in der Mannheimer Innenstadt erschaffen hatte.

„Balim“ von Hombre SUK in Amman (Jordanien)

LOW BROS, das Pseudonym der beiden Brüder Christoph und Florin Schmidt, ist ein wenig irreführend, geht ihr künstlerischer Werdegang doch seit Jahren steil nach oben! Die Werke der Low Bros zeichnen eine poppige Mischung aus figürlichen Motiven in Kombination mit geometrischen Elementen aus. Hierbei spielen die Künstler mit Zwei- und Dreidimensionalität, Licht und Schatten und der Verbindung von natürlichen, oftmals tierischen Motiven mit menschlichen Posen und Accessoires. Von der digitalen Welt, die in den Arbeiten der Low Bros immer wieder als zentrales Motiv vorkommt, konnten sie beim Malen in F5 komplett Abstand nehmen. Schon von Weitem kann man die geometrischen Formen erblicken in Farben, die an die Farbpalette aktueller Computerspielästhetik angelehnt sind. Die beste Perspektive auf das Mural, das den Titel „New Wave“ trägt, hat man jedoch von der Straßenecke G4.

„New Wave“ von den LOW BROS in F5, 12, 68159 Mannheim (Innenstadt)

Seit 1996 arbeiten Pablo Togni (Bellinzona) und Christian Rebecchi (Lugano) als NEVERCREW zusammen. Die Arbeiten des Streetartduos zeichnen eine individuelle Symbiose aus Fotorealismus und Abstraktion aus. Inhaltlich behandelt die NEVERCREW oftmals Themen aus der Kontroverse unserer modernen Gesellschaft und der Natur, die dem Betrachter einen kritischen Blick auf den Umgang mit unseren Planeten  abverlangen. Zur Bedeutung des Mannheimer Motivs „Propagating Machine“ sagen die beiden: This is a work about the balance between the elements, about the relation between mankind and nature and about how each element could affect the system of which it is part, both in a good or in a bad way. It is about immediate effects and long term consequences that could seem not tangible, so about the importance of single acts or global attitudes towards the environment in which we live.“

„Propagating Machine“ von der NEVERCREW im Ulmenweg 40-60, 68167 Mannheim (Neckarstadt-Ost)

YAZAN HALWANI, geboren 1993 in Beirut, gehört trotz seines jungen Alters zu den Pionieren der Graffiti- und Streetart-Szene des Mittleren Ostens. Aus seinem Interesse sowohl für klassisches Graffiti-Writing und arabische Kalligrafie als auch für figürliche Malerei entsteht Yazan Halwanis ganz eigener Stil: „Calligraffiti“. Mit seinen Wandgemälden will der „Banksy Beiruts“ die Kultur-Geschichte seiner Heimatstadt neu schreiben – bunt, groß und auf Häuserwänden. Denn noch heute spürt und sieht man im Libanon die Spuren des Bürgerkriegs. Noch immer ist die Gesellschaft zerrissen, die Politiker korrupt, die Gebäude vom Krieg zerstört. Mit seinen riesigen Porträts libanesischer Nationalhelden wie z.B. der Sängerin Sabah, die weit über politische und religiöse Grenzen hinweg bewundert werden, will er sichtbare Zeichen setzen und so die gespaltene Stadt einen. Seine Werke sind in in Tunesien, Singapur, Dubai oder Frankreich zu sehen.

„The Unevitability Of Leaving Things Behind“ von YAZAN HALWANI in F6,12, 68159 Mannheim (Innenstadt)

ALEXEY LUKA, geboren 1983, lebt und arbeitet in Moskau, wo er als einer der talentiertesten, jungen Künstler der russischen, zeitgenössischen Kunstszene gehandelt wird. Neben zahlreichen Malereien, Installationen und Ausstellungen in seiner Heimatstadt nahm ALEXEY LUKA an mehreren international renommierten Kunstveranstaltungen teil. Seine abstrakten, flächigen Farbwelten greifen die Einflüsse seines Architekturstudiums auf und finden sich zu komplexen Kompositionen wieder, in denen Farben und Formen miteinander interagieren und sich wie Puzzleteile zusammenfinden. Die Wandmalereien und Skulpturen von ALEXEY LUKA integrieren sich in ihr Umfeld. Wie architektonisch entworfen bilden sie ein Gesamtkunstwerk mit dem Ort an dem sie zu sehen sind.

„Untitled“ von Alexey LUKA am Jugendkulturzentrum FORUM, Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim (Neckarstadt-Ost)

Die große Kunst der großflächigen Kunst hat Hendrik ECB Beikirch von klein auf gelernt. Was mit den ersten Sprayversuchen in der Graffitiszene u.a. seiner Heimatstadt Koblenz begann, führte schnell zu einem einzigartigen Stil, der ihn und seine Bilder weltweit (auch außerhalb der Graffitiszene) bekannt machte. Während um ihn herum die Bilder immer bunter wurden, reduzierte er seine Malereien größtenteils auf graustufige Portraits, oftmals kombiniert mit dezenten, grafischen Schriftelementen. Dieser – besonders in früheren Tagen der deutschen Graffitikultur – sehr eigene Weg des Hendrik ECB Beikirch führte ihn und seine Bilder seither unzählige Sprossen höher auf der Kunstleiter, hin zu weltweiten Wandbildern in einer Größenordnung, für die eine lange Leiter schon lange nicht mehr ausreicht.
Nun entstand im Rahmen von Stadt.Wand.Kunst im August 2016 Véra, das Porträt dieser Frau aus Sibirien, die seitdem von der Brandenburger Straße 44 aus über Mannheim schaut und von den Bürgern der Stadt betrachtet werden kann. Sie ist nicht nur aufgrund ihrer Fläche groß, sondern insbesondere als ein Teil der „Sibirien“-Serie von Hendrik Beikirch ein Teil von etwas besonders Großem!

„Véra“ von Hendrik ECB Beikirch in der Brandenburger Str. 44, 68309 Mannheim (Vogelstang)

BEZT – ETAM CRU, geboren 1987 im polnischen Turek, und SAINER lernten sich während des Studiums an der Hochschule der Bildenden Künste in Lodz kennen und begannen zusammen zu malen. Neben ihren Soloprojekten als Künstler und Designer machten sie sich seither vor allem als Künstlerduo unter dem Pseudonym ETAM CRU einen Namen in der polnischen und internationalen Graffiti- und Kunstszene. In seinen größtenteils figürlichen Arbeiten kombiniert BEZT Realismus und Fiktion. Er mischt klassische Elemente und die Ästhetik osteuropäischer Kultur mit modernen Themen und erschafft dadurch mystisch anmutende Fantasiewelten die den Betrachter zum Nachdenken anregen und gleichzeitig ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

„Europe“ von BEZT (ETAM cru) in E7,22, 68159 Mannheim (Innenstadt)

  • MEHRDAD ZAERI und CHRISTINA LAUBE (SOURATI)

Mehrdad Zaeri-Esfahani kam 1970 in Isfahan/Iran auf die Welt. Als Kind bestand seine Welt aus der Leidenschaft für Spiele und den Ängsten vor dem Leben. Die Ängste hat er mittlerweile gut überwunden, die Spielfreude ist geblieben. 1985 floh Mehrdad mit seiner Familie über die Türkei und Ost-Berlin nach Heidelberg, wo er 1992 sein Abitur machte. Dann begann das Taxifahren und Zeichnen und er beschloss, Künstler zu werden. Heute lebt Mehrdad Zaeri mit seiner Frau Christina Laube in Mannheim, macht seine Kunst v.a. als Buchillustrator und Performancekünstler und mag dieses Leben, das immer eine Überraschung in der Tasche hat. Sein Mural „Die Freiheitstesterin“ ist sein erstes großformatiges Wandgemälde und er ist jetzt schon süchtig nach mehr.
Das Gebäude wurde im Sommer 2018 wie geplant abgerissen. Die zeitliche Begrenztheit dieses Kunstwerks war von vornherein bewusst und gewollt.

„Freiheitstesterin“ von Mehrdad Zaeri und Christina Laube in B6 4, 68159 Mannheim (Innenstadt)

Als eine Hälfte der ETAM CRU begeistert der 1988 in Lodz geborene SAINER schon seit Jahren Urban- und Street-Art Liebhaber auf der ganzen Welt durch seine figürlichen Arbeiten. Seit 2010 stellte SAINER seine Arbeiten auf zahlreichen sehr erfolgreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Galerien und Museen aus, u.a. in der Thinkspace Gallery in Los Angeles und im Museum of Art in Honolulu (dort im Rahmen der POW! POW! Ausstellung 2013). Seine illustrativen Fantasiewelten erzeugen eine ganz eigene melancholische Stimmung, oft gepaart mit humorvollen oder unerwarteten Elementen, in einer perfekt ausgeführten Mischung aus Comic und Realität. Ob in seinem Heimatland Polen oder auf internationaler (Hebe-)Bühne, SAINER weiß mit seinen Fassadenbildern auch kritische Stimmen zu überzeugen und wird die Messlatte für den nachfolgenden Künstler – seinen ETAM-Partner BEZT beim diesjährigen STADT.WAND.KUNST mit Sicherheit sehr weit nach oben schrauben.

„Baseball Sketch“ von SAINER (ETAM cru) in der Waldhofstraße 56, 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

  • MEINER*

Geboren 1986 in Rheinland-Pfalz, lebt und arbeitet in Waldsee/Pfalz. Linien, harte Kanten, geometrische Formen, dies sind einige Attribute welche die Arbeiten von Philipp Himmel beschreiben. Beeinflusst durch die langjährige Einbindung in die Graffitikultur und das Medium Sprühdose entstehen neu abstrakte Räume. Einzelne Buchstaben bilden die Grundlage der Arbeiten, stehen aber nicht im Fokus, der auf Konstruktion und Komposition liegt. Mittels eines Mix aus Materialien werden Flächen und Strukturen überlagert, werden Ebenen geschaffen und wachsen so zu einem ganzen Werk zusammen.

*Im Zuge der Umbaumaßnahmen auf den Mannheimer Konversionsflächen mussten die Gebäude im Frühjahr 2017 wie geplant abgerissen werden.

Farbe für Franklin – Meiner*

  • SWEETUNO*

Seit er 1989 mit Graffiti begann, hat Sweetuno sich einem klassischen Stil verschrieben: vom Tag zum Throwup, von simple zum wildstyle. Während seiner Jugend in der Graffiti-Szene Basels in den 90er Jahren, wurde er beeinflusst durch Straßen voller Tags und die berühmten Bahnlinien voller verschiedener Styles. Seit 12 Jahren lebt und arbeitet er in Heidelberg. Seine Suche nach Identität im Style und kontinuierlicher Weiterentwicklung ist immer noch Sweetunos treibende Kraft; die Arbeiten sind experimentell, folgen aber immer seinen Wurzeln. 2008 stellt Sweetuno seine Graffit-Arbeiten erstmalig aus, es folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Neben dem Graffiti ist er Autor, Regisseur und Schauspieler. 2006 schrieb er das erste Theaterstück über Graffiti mit dem Titel „Sky is the limit“, das 2014 innerhalb der „Kick And Throw Graffiti Show“ in der Alten Feuerwache zu sehen war.

*Im Zuge der Umbaumaßnahmen auf den Mannheimer Konversionsflächen mussten die Gebäude im Frühjahr 2017 wie geplant abgerissen werden.

Farbe für Franklin – Sweetuno*

Super Mario, Comics und 90er-Graffiti: Die Bilder von Hombre sind durch seine Kindheit geprägt. Seine Arbeiten entstehen primär mit der Sprühdose – freihand. Immer widmet er sich zwei Stilrichtungen: Auf der einen Seite klassisch comiclastige Motive, auf der anderen Seite skizzenhaft anmutende Portraits in schwarz-weiß. In den 90ern hat ihn vor allem der Spirit des Graffiti gefesselt, Heute geht es primär um das Ergebnis und die gute Zeit. Mannheim, wo er aufgewachsen ist, hat seinen Style vor allem dadurch geprägt, dass es wenige große Wände zum Ausprobieren gab.

*Im Zuge der Umbaumaßnahmen auf den Mannheimer Konversionsflächen mussten die Gebäude im Frühjahr 2017 wie geplant abgerissen werden.

Farbe für Franklin – Hombre*

Das Künstlerduo Sobekcis besteht aus den Zwillingsbrüdern Sobek und Kcis aus Belgrad. Ihr gemeinsames Interesse an visuellem Ausdruck führte dazu, dass sie sich recht früh als das Duo fanden, dessen Arbeiten zuletzt 2014 im Rahmen der „OpenSpace Gallery“ in Paris ausgestellt wurden. Beide studierten Grafikdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.Die charakteristischste Besonderheit des Sebekcis-Stils ist die Flut an grell-farbigen geometrischen Formen, die in all ihren Kunstwerken wiederkehren. Buchstaben lassen sich teilweise nur erahnen, aber erklärtes Ziel Sobekcis ist nicht Lesbarkeit, sondern eine gelungene Komposition aus Outline, Fill-in, Vorder- und Hintergrund zu finden. Dies gibt ihrer Kunst eine unvergleichliche Intensität.

„Motion“ von SOBEKCIS in der Zeppelinstraße 20-24, 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

Im Werk von Stohead zeigt sich seine große Leidenschaft – die Schrift. Er verknüpft, was ihn prägt, mit dem, was ihn bewegt: the code of the streets. Extrahierte Lyrics und Schlagworte aktueller gesellschaftlicher Themen werden vom Künstler mathematisch aufgeschlüsselt. Die kalligrafischen Anordnungen von bis zur Abstraktion überzeichneten Buchstaben entziehen sich zunächst der Lesbarkeit: In einhämmernder Wiederholung als Muster kompromisslos aneinandergereiht oder in eine dreidimensionale Betrachtungsebene überführt. Im Arbeitsprozess wird der Bogen gespannt dessen gespeicherte Kraft sich dann in wilder Entschlossenheit auf dem Malgrund entlädt. Die großformatigen Darstellungen, die dem scheinbar Ungeordneten eine Struktur geben, transportieren diese Energie besonders eindringlich und übertragen sie auf den Betrachter.

„Rhythm“ von STOHEAD in S5, 12-17, 68161 Mannheim (Innenstadt)

Rafael Gerlach wurde 1977 in Venezuela geboren und wuchs in München auf. Der gelernte Grafikdesigner entdeckte schon früh sein Interesse an Graffiti, entwickelte jedoch kontinuierlich einen Stil, der fern historisch gewachsener Formen- und Bildersprache das vermeintlich oberflächlich Schöne verneint. Gerlach aka SatOne konstruiert mit seinen geometrischen Abstraktionen und futuristisch anmutenden Formen eine förmliche aber nicht greifbare Welt. Er erscheint mit seiner Vielschichtigkeit und seiner Präzision als Architekt einer parallel existierenden Realität, bei der sich die physikalische Form ihrer Baumaterialien, fernab irdischer Gravitation, erst in ihrer Kombination miteinander manifestiert.

„Insomnia“ von SATONE in der Kleestraße 6, 68169 Mannheim (Neckarstadt-West)

ASKE aus Moskau hat sich innerhalb kürzester Zeit international einen Namen als Graffiti-Writer sowie als Grafiker und Illustrator – unter anderem für Fachbücher und – magazine – gemacht. Das New York Print Magazine setzte ihn 2010 auf die Top-20-Liste internationaler, aufstrebender Bildender Künstler. Seine künstlerische Karriere begann er im Jahr 2000. Schnell wurde er bekannt durch seine comicartigen Motive, die er aus einzelnen, voneinander abgegrenzten Flächen zusammensetzt. Dadurch erhalten seine Figuren etwas Steriles, Roboterhaftes – zugleich sind seine Bildkompositionen dynamisch und farbintensiv. Neben analogen Werken, widmet sich ASKE auch der digitalen Kunst und ist als Grafiker für viele bekannte Marken (u.a. Nike, Reebok, Stussy, Nokia, Computer Arts Magazine) tätig. Weiterhin ist er Mitbegründer und Chefredakteur des Magazins Code Red, das sich mit Graffiti, Streetart, Kunst und Grafikdesign befasst. Durch seinen unverkennbaren Stil sowie durch Hingabe und ernsthafte Herangehensweise an seine Arbeit, kommt ASKE eine Ausnahmestellung unter den internationalen Street Art Künstlern zu. Davon zeugt auch seine Materialfülle: ASKE erstellt Reliefs aus Sperrholz, die in zahlreichen Ausstellungen zu sehen waren, bemalt Leinwände und natürlich Hauswände. In Moskau, Salavat und Vyska hat er bereits solche großflächigen Projekte realisiert – die jüngste Arbeit entstand in Mannheim, wo er zuletzt 2010 an der Ausstellung „Kunstkraft“ beteiligt war.

„The Modern Thinker“ von ASKE in F6, 8, 68159 Mannheim (Innenstadt)

Ihre Bilder sind gewaltig, ihr Dualismus kraftvoll und bemerkenswert: Hera (Jasmin Siddiqui) liefert die ausdrucksvollen, gestischen Umrisslinien. Akut (Falk Lehmann) steuert die fotorealistischen Details bei. Beide haben ihre Wurzeln in der Graffiti-Szene, malten 2004 zum ersten Mal gemeinsam an einer Wand und schlossen sich daraufhin zum Duo zusammen. Als HERAKUT haben sie in Großstädten auf der ganzen Welt gearbeitet: Los Angeles, Toronto, Kathmandu, San Francisco, Melbourne. Mühelos weben sie Humor und Texte in ihre Arbeiten, die immer auch eine Geschichte erzählen, eine imaginäre Welt mit inspirierenden Figuren darin erschaffen. Nur konsequent also, dass HERAKUT auch Bücher veröffentlicht: „The Perfect Merge“ (2009) und „After The Laughter“ (2011). Auch das Motiv „My Superhero Power is Forgiveness“, das HERAKUT im Sommer 2013 an einem sechststöckigen Gebäude in der Mannheimer Innenstadt realisierte, ist letztlich eine Buchseite und Teil des „Giant Storybook Project“, dessen Einzelteile über die ganze Welt verstreut liegen. In den kurzen Texten, die die Bilder begleiten, offenbaren HERAKUT einen kritischen Blick auf soziale Brüche und kollektive Zwänge; zugleich erinnern sie an die Kraft der Liebe. Von sich selbst sagen die beiden, dass sie nicht in teuren Galerien ausstellen wollen, sondern den öffentlichen Raum als „natürliche Heimat“ ihrer Wandgemälde sehen, die den Betrachtern Ruhe, Halt, Trost und Mut schenken sollen.

„My Superhero Power Is Forgiveness“ von HERAKUT in F6, 1-5, 68159 Mannheim (Innenstadt)

 

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Stadt.Wand.Kunst ist ein Projekt der Alten Feuerwache Mannheim, der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG und Montana Cans. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Mannheim.