Neue Alte Feuerwache: Praxis
Praxis ist der Ort, an dem Transformation konkret sichtbar wird. Sie zeigt sich nicht nur in Konzepten oder internen Prozessen, sondern im Haus, im Team, im Programm, in Kooperationen und im Umgang mit dem Stadtraum. Für uns bedeutet Praxis, Veränderungen so umzusetzen, dass sie im Alltag erfahrbar werden: Für Mitarbeitende, Künstler*innen, Partner*innen und Publikum.
Transformation wird dort glaubwürdig, wo sie auch sichtbar wird. Im Folgenden werden Beispiele im Arbeitsalltag der Alten Feuerwache Mannheim in den drei Handlungsfeldern beschrieben.
STRUKTURELLE ORGANISATIONSENTWICKLUNG
Wenn neue Arbeitsweisen den Alltag prägen, kann das Auswirkungen auf strukturelle Veränderungen haben. 2024 bezogen wir neue Büroräume innerhalb des Gebäudes und die bereichsinterne Kommunikation wurde hinterfragt und neu gedacht. Gleichzeitig wurden die Veranstaltungstechnik in der Halle erneuert und im Wirtschaftsbetrieb Abläufe angepasst, um Effizienz und Programmarbeit besser zu verbinden. Auch die Implementierung neuer digitaler Tools, welche alle Arbeitsbereiche und die Einbindung aller Mitarbeitende umfasste, sind Beispiele dafür, wie institutionelle Entwicklungen praktisch wirksam werden können.
Solche Veränderungen betreffen nicht nur Verwaltung oder Infrastruktur, sondern schaffen die Voraussetzungen dafür, dass kulturelle Produktion, Planung und Zusammenarbeit im Haus verlässlicher funktionieren.
SOZIALE NACHHALTIGKEIT
Soziale Nachhaltigkeit wird in unserer Programmarbeit, in Kooperationen und in der Gestaltung von Veranstaltungsräumen wirksam.
Seit 2024 geben wir die Programmplanung für das Festival Planet Ears weitgehend aus der Hand: z.B. an das afrodiasporische Kollektiv Oré Arts und die Musikwissenschaftlerin und Kuratorin Dr. Rim Irscheid. Zudem verfolgt das Literaturfestival “lesen.hören” eine programmatische Powersharing‑Praxis, durch die internationalen Partner*innen Programmeinheiten überlassen werden, wie z.B. 2024 dem Schwarze Literaturfestival der Ruhrfestspielen in Recklinghausen „Resonanzen“ oder 2025 dem serbischen Literaturfestival KROKODIL.
Zudem arbeiten wir langfristig mit Bildungs-, Stadtteil-, Wissenschafts- und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zusammen, z.B. mit dem Anti-Diskriminierungsbüro Mannheim, dem International Rescue Committee, der Universität Mannheim, dem Neckarstadt Kids e.V., der Stadtbibliothek, Seniorenbüros und weitere. Aus diesen Kooperationen entstanden unter anderem Projekte wie “KuCou” und “Sprachchecker”.
Zusätzlich ist unser hauseigenes Awareness-Team bei Veranstaltungen aktiv. Unsere ausgebildeten Mitarbeitenden sind Anlaufstelle für Besuchende und Künstler*innen und sind auch bei externen (Groß-)Veranstaltungen präsent. Ergänzt wird es durch eine interne Beschwerdestelle nach dem AGG. Beide Strukturen fließen in Booking-Entscheidungen und Kooperationsvereinbarungen ein.
ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT
Ökologische Nachhaltigkeit wird praktisch, wenn sie in Entscheidungen über Betrieb, Veranstaltungen und Raumnutzung einfließt.
Seit 2023 bilanzieren wir nach dem CO₂-Kulturstandard unsere Treibhausgase. Im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals führten wir von 2023 bis 2025 Projekt-Treibhausgasberechnungen mit dem Label „klimafare Veranstaltung“ der Klimaschutzstiftung BW durch. Insbesondere lag der Fokus auf Catering (Umstellung auf vegetarische oder auch vegane Küche) und Mobiltiät, (z.B. Angebot von Kombi-ÖPNV-Tickets und Umfragen). Zum Schluss wurden Kompensationen über die Klimaschutzstiftung geleistet.
Mit unserem Projekt “Vom Parkplatz zum Park-Platz” begannen wir 2025 gemeinsam mit Besucher*innen von Klimafachtagungen eine Einsiegelungs- und Begrünungsaktion in unserem Hinterhof. Ein kleiner Beitrag mit symbolischer und praktischer Wirkung: Entsiegelung als nachbarschaftlicher Akt und Teil einer größeren Planung für einen grünen Begegnungsort.
Zusätzlich finden regelmäßig Ressourcen-, Effizienz- und Emissionschecks statt und Energiefragen werden aktiv in unsere Planung und Arbeitsweisen integriert. So wird Nachhaltigkeit nicht nur geplant, sondern als Teil kultureller Praxis erprobt und sichtbar gemacht.
Warum das für Kunst und Kultur wichtig ist
Kulturelle Qualität entsteht nicht abstrakt, sondern in konkreten Bedingungen. Wie Räume organisiert sind, wie zusammengearbeitet wird, wer Zugang findet und wie verantwortlich mit Ressourcen umgegangen wird, prägt die Programmarbeit unmittelbar. Dabei findet Transformation bei uns an unterschiedlichen Orten statt:
- Im Team, wenn Arbeitsweisen verändert werden
- Im Haus, wenn Räume und Infrastruktur neu gedacht werden
- Im Programm, wenn Inhalte, Formate und Zusammenarbeit sich verschieben
- Im Stadtraum, wenn Kultur institutionelle Grenzen überschreitet
Keiner dieser Orte steht für sich. Was intern verändert wird, zeigt sich im Programm. Was im Programm erprobt wird, verändert Kooperationen. Und was im Stadtraum entsteht, gehört der Stadtgesellschaft. Diese verschiedenen Praxisorte zeigen, dass Transformation kein abstrakter Prozess bleibt, sondern in vielen Bereichen des Hauses zugleich wirksam wird. Und darum ist Ins-Handeln-Kommen so wichtig: Erst dort wird sichtbar, ob Transformation trägt. Es macht Veränderung nachvollziehbar und zeigt, wie aus strukturellen Entscheidungen kulturelle Realität entsteht.