Neue Alte Feuerwache: Arbeitsweise
Veränderung entsteht nicht nur durch einzelne Maßnahmen, sondern vor allem durch kontinuierliches Strukturieren, Reflektieren, Erproben und Anpassen. Für uns bedeutet das z. B. Zusammenarbeit neu zu organisieren, Erfahrungen gezielt auszuwerten und Arbeitsweisen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht ein einmaliges Ergebnis, sondern eine lernende Praxis, die im laufenden Betrieb entsteht und sich an Anforderungen anpassen kann. Wie diese Arbeitsweise konkret Gestalt annimmt, wird in den drei miteinander verbundenen Handlungsfeldern sichtbar:
STRUKTURELLE ORGANISATIONSENTWICKLUNG
Was wir verändert haben
Strukturelle Organisationsentwicklung heißt für uns, interne Abläufe, Verantwortlichkeiten und Formen der Zusammenarbeit so weiterzuentwickeln, dass kulturelle Arbeit verlässlich getragen werden kann. Im Transformationsprozess haben wir dafür bewusst abteilungsübergreifende Teams gebildet, die zentrale Themen gemeinsam bearbeitet haben, etwa als Leitbild-, Digitalisierungs- oder Nachhaltigkeitsteam. So wurden Fragen, die früher stärker nebeneinander liefen, gemeinsam verhandelt und in unseren Kulturbetrieb zurückgespielt.
Aus diesem Prozess entstand auch das Leitbild als gemeinsamer Orientierungsrahmen für Haltung, Zusammenarbeit und Entscheidungen im Alltag. Parallel dazu hinterfragten wir unsere digitalen Arbeitsweisen. Mit Tools, wie Slack, ZenKit, e2n und DATEV online, wurden Kommunikation, Planung, Buchhaltung und Zuständigkeiten effizienter gestaltet und Wissen besser geteilt, Entscheidungsprozesse wurden transparenter.
Seit 2025 ergänzt ein Corporate-Identity-Prozess mit Master-Studierenden der TH Mannheim diese Entwicklung.
Was wir daraus lernen
Strukturveränderungen brauchen Zeit und Verbindlichkeit. Was zunächst wie Verwaltungsarbeit wirkt, schafft die Grundlage dafür, dass kulturelle Programm- und Teilhabearbeit überhaupt verlässlich gelingen kann. Durch unsere veränderte Arbeitsroutine stellten wir fest, dass die Einführung effizienter Planungs- und Kommunikationstools und einem klaren Eigenprofil mehr Ressourcen für unsere Kulturarbeit ermöglicht.
SOZIALE NACHHALTIGKEIT
Was wir verändert haben
Soziale Nachhaltigkeit ist für uns wichtig, um Kulturarbeit gerechter, sicherer und zugänglicher zu gestalten. Mit dem Förderprogramm „Weiterkommen!“ des Zentrums für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg starteten 2023 intensive Workshops zu machtkritischer und diskriminierungssensibler Kulturarbeit. Daraus entstanden unser Code of Conduct, Awareness-Konzept und unser eigenes Awareness-Team, ebenso wie der Ausbau von Beschwerde- und Schutzstrukturen. Soziale Nachhaltigkeit prägt aber nicht nur interne Prozesse, sondern auch die Frage, wie unser Programm gestaltet, welche Künstler*innen eingeladen, mit wem zusammengearbeitet sowie Verantwortung geteilt wird. Dadurch bauen wir zudem kontinuierlich unser Netzwerk mit Bildungs-, Stadtteil- und Wissenschaftspartner*innen aus.
Seit 2025 setzen wir den Prozess mit „(K)ein Kunststück“ der Bildungsstätte Anne Frank fort, mit dem Schwerpunkt auf Powersharing.
Was wir daraus lernen
Öffnung bedeutet nicht nur, neue Gruppen einzuladen. Es bedeutet, die eigenen Entscheidungslogiken zu hinterfragen sowie diskriminierungsensibler zu handeln.
ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT
Was wir verändert haben
Ökologische Nachhaltigkeit wird in der Alten Feuerwache als Teil des Arbeitsalltags verstanden. 2023 haben wir unsere erste Klimabilanz erstellt: 220,9 t CO₂e im Betrieb, 407,3 t CO₂e einschließlich Publikumsverkehr. Zudem nahmen wir 2025 an der Weiterbildungsakademie „Klimaschutz in Kultureinrichtungen“ der Klimaschutzstiftung BW teil, haben eine interne Nachhaltigkeitsfachkraft zertifizieren lassen, einen IHK-Ressourcencheck beauftragt, ein Projekt zur Entsiegelung und Begrünung gestartet und sind ein Transformations-Tandem aus Kultur und Wirtschaft eingegangen. Darauf aufbauend werden ökologische Fragen schrittweise in betriebliche Abläufe, technische Entscheidungen und Veranstaltungsplanung integriert. Auch der Energieverbrauch unseres denkmalgeschützten Gebäudes wird regelmäßig geprüft und Anpassungen werden vorgenommen.
Was wir daraus lernen
Ökologische Verantwortung beginnt mit ehrlicher Bestandsaufnahme. Maßnahmen greifen nicht sofort, aber ohne Datenbasis sind sie nicht gezielt möglich.
Warum diese Arbeitsweise die Kunst- und Kulturförderung stärkt
Gute Kulturarbeit braucht verlässliche Grundlagen. Sie braucht Strukturen, die tragen, Räume, die zugänglich sind, und eine Organisation, die auf gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen reagieren kann. Die Arbeitsweise der Alten Feuerwache verbindet genau diese Ebenen. Sie stärkt die Qualität kultureller Arbeit nicht nur im Programm, sondern in den Bedingungen, unter denen dieses Programm überhaupt möglich ist.