Logokürzel Alte Feuerwache Mannheim

Die Empathiefähigkeit von Schwimmkerzen. Deniz Ohde operiert am offenen Herzen der Gesellschaft

5. März 2021
Freitag

Einlass 19:00
Beginn 20:00



Neuer Termin: 04.07.21

Leider muss die Lesung verschoben werden. Neuer Termin ist der 04. Juli 2021.

Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können dort, wo sie gekauft wurden zurückgegeben werden. Online-Kunden werden in einer zusätzlichen Mail über ihre Möglichkeiten informiert oder können sich an tickets@reservix.de wenden.

Über die Aktion #seidabeiSchenkDeinTicket hat man die Möglichkeit, seine online-Tickets uns, dem Veranstalter, zu überlassen und somit ein Zeichen der Solidarität zu setzen. https://ticketmagazin.reservix.de/schenk-dein-ticket

 

Hier geht es zum neuen Termin.

„Ich war nicht schaumgeboren, sondern staubgeboren“, schreibt Deniz Ohde in ihrem ersten Roman. „Rußgeboren“ sei ihre Heldin, „geboren aus dem Kochsalz in der Luft, das sich auf die Autodächer legte.“ – Ein solcher Satz könnte schlimmsten Sozialkitsch nach sich ziehen. Er steht aber in einem großartigen Roman: „Streulicht“ ist das wichtigste Debüt der letzten Saison! Dabei erzählt Deniz Ohde die eigentlich alte Geschichte eines Lebens, das von vornherein schon gelaufen ist. Warum? Weil die junge Frau, die am Anfang des Romans in den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, unter einem Gesetz aufgewachsen ist: Schuster bleib bei deinen Leisten. Was heißt das, wenn der Vater trinkt, die Mutter krank wird, wenn man aus einer Arbeiterfamilie kommt, die Mutter von ganz „woanders“ stammt und in der Schule alle denken, so eine sei ein hoffnungsloser Fall? Vorsichtig und mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und den politischen Kontext der 90er Jahre erzählt Deniz Ohde von Ausgrenzung und ganz alltäglicher Diskriminierung, die doch alle kennen könnten: von der einen oder der anderen Seite. Ihr Roman zeugt von Nähe in einer bedrängten Familie, von der zerstörerischen Macht der Gefühle und einer jungen Frau, die langsam eine Sprache für ihre Erfahrungen findet. Radikal und mit scharfem, manchmal satirischem Blick auf die gleichsam kleinbürgerlichen Sprinkleranlagen entstiegenen Verhältnisse orchestriert Deniz Ohde den Verstehensprozess ihrer Erzählerin als den der Lesenden. „Streulicht“ wird so am Ende zu einem Buch, das nicht von Schuld oder von Scheitern handelt, sondern vom Gehen und Bleiben. Eine literarische Entdeckung!

Auch für Studierende der Universität Mannheim: Sie kommentieren entscheidende Passagen der Lesung und geben so Anstöße zum Gespräch zwischen Deniz Ohde und ihrem Moderator Thomas Wortmann.

lesen.hören wird gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.


Deniz Ohde © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag


Thomas Wortmann © Anna Logue