Logokürzel Alte Feuerwache Mannheim

Mundstuhl

19. November 2004
Freitag

Einlass 20:00
Beginn 21:00




MUNDSTUHL – Alles Inklusive
Sie waren zwar nie weg, aber dafür sind sie jetzt wieder da:
Mundstuhl alias Ande Werner und Lars Niedereichholz. Nach den immens erfolgreichen Studioalben „Nur vom Allerfeinsten“ (1998), „Deluxe“ (2000) und „Heul Doch“ (2001) sowie dem gefeierten Live-Mitschnitt „Könige der Nacht“ (2003) meldet sich Deutschlands lustigstes Comedyduo mit neuen gesammelten Bosheiten, spitzfindigen Sketchen und musikalischen Delikatessen zurück.
„Alles Inklusive“ ist der Titel des neuen Albums, das Comedy und Realsatire, unterhaltsam und witzig, aber auch gallig, ultragemein und wundervoll geschmacklos verbindet. Vor wuchtigen Tiefschlägen unter die Gürtellinie ist man bei diesen beiden Hardcore-Comedians ebensowenig gefeit wie vor einer eigenwilligen und großzügigen Interpretation des Begriffs „political correctness“. Und der pure Blödsinn treibt natürlich auch wieder herrlichste Blüten, wenn die Kultkomiker aus dem schönen Hessenland einmal mehr in die unterschiedlichsten Rollen und Charaktere schlüpfen.
Kurzum: alles – inklusive Bart und Brille – ist wie immer bei Mundstuhl und trotzdem ganz anders, weil noch krasser, korreggder und konkreter.
Wer anders als Mundstuhl käme auf die Idee, einen marktschreierischen ostdeutschen Radiosender (Radio STRB) vorzustellen, der, unterstützt vom Bundesministerium für Innere Sicherheit, den Osten zur Boom-Zone erklärt und die Ossis deshalb in bester Montagsdemo-Tradition lautstark skandieren lässt: „Wir bleiben hier“? Und während sich Moralapostel in Ost und West noch fragen: „Dürfen die das…?“, zeigen Lars und Ande wie ein 102-Liter-Gefrierfach den Charakter verdirbt und diskutieren die lebenswichtigen Fragen, ob Bon Scott schwul war, warum Moslems nicht mit Wasser, sondern mit Steinen getauft werden, und warum es in China nicht nur Seidenstraßen, sondern mindestens auch eine Hauptstraße gibt.
Gleich um die Ecke treffen wir Altbekannte. C- und F-Hörnchen etwa, die beiden räudigen Brüder von Walt Disneys A- und B-Hörnchen, die sich auf eine abenteuerliche Reise ins vermeintliche Kifferparadies Jamaika begeben. Und natürlich tauschen auch wieder Dragan & Alder, die längst unentbehrlich gewordenen Ikonen und Erfinder der Kanak-Comedy, in ihrem oft kopierten aber nie erreichten Kauderwelsch unglaubliche Lebensweisheiten aus:
Alder: Dragan, ich hab jetzt auch korreggde Nikorettenpflaster…
Dragan: Was geht, Alder, willst Du aufhören zu rauchen?
Alder: Scheißendreck. Natürlisch net. De is für nachts, für zusätzlich.
Wahre Rechenkünstler und Anhänger des Dosenpfands sind die beiden Vorstadtprolos übrigens auch noch. Außerdem kennen sie sich bestens mit Allergien aus, wissen, welcher „Wunderbaum“ den richtige Duft im tiefergelegten 3er BMW verbreitet und streiten sich, wer den besten Handyklingelton hat.
Neu im Team sind Peggy und Sandy, zwei sächsische Mütter aus der Plattenbausiedlung – da kann der Sohn mit seiner Band „Hass Hass Hass“ rumlärmen so viel er will, weil hier sowieso keiner mehr wohnt – und Tick und Tourette, zwei Sprachgestörte, der eine mit echtem Tick, der andere mit Syndrom. Wie diese mit den Widrigkeiten des Lebens, im Job (Callcenter) und in der Liebe klarkommen, oder besser gesagt, nicht klarkommen, das ist purer Trash, bei dem garantiert kein Auge trocken bleibt. (letzter Satz nicht so schön formuliert…)
Erbarmungslos komisch sind fernerhin die Grilltipps mit dem magenkranken Grillschorsch und die Anleitungen des netten Fernsehonkels, den Mundstuhl bei der „Sendung mit der Maus“ abgeworben haben. Er erklärt, wie man eine Ölpest verursacht, eine Schwangerschaft abbricht und zum Obdachlosen wird, natürlich immer pädagogisch wertvoll und absolut krass.
Musik kommt selbstverständlich auch vor. Immerhin sind Ande und Lars Ex-Rockmusiker. Und ein Liedchen auf den Lippen bringt immer Freude. Text vergessen? Kein Problem. Die fetten Warnungen auf den Zigarettenpackungen („Rauchen macht sehr schnell abhängig“) bieten ausreichend Stoff für bewegende Momente. Mit dem potenziellen Volksmusik-Hit eher Skihütten/Apreski-Ballermann/Hüttenzauber, etc –Hit „Wenn’s Arscherl brummt“ erweisen sich Mundstuhl darüber hinaus als Musikantenstadl-tauglich und Dragan und Alder empfehlen sich mit „Krasse Kinderliedermedley“ als Animateure für den nächsten Kindergeburtstag. „Backe backe Kuchen“ mit den ultrakorrekten Bomberjackenträgern – dazu kann niemand nein sagen.
„Alles Inklusive“ ist gleichfalls der Titel des brandneuen Bühnenprogramms, mit dem Mundstuhl in den kommenden Monaten ihre Fans von Flensburg bis Luzern heimsuchen werden. Schon für 15 € bei eigener An- und Abreise geht es mit Ande und Lars ab in die Karibik. An der Strandbar eines Alles-Inklusive-Hotels treffen sich die üblichen Verdächtigen: Dragan & Alder, die ständig ausrastenden Oberloser Andi und Jesus (gesprochen Dschieses) und natürlich Peggy und Sandy, die ihren ersten Karibikurlaub erleben und männlichen Anschluss suchen – „Zur Not sogar ein Einheimischer“. Bestens betreut von einer kompetenten Reisebegleitung, die bemerkenswerte Tipps und Tricks für jede Lebenslage bereit hält, und perfekt unterhalten von hoch motivierten musikalischen Animateuren wie dem schlechtesten Peter Maffay-Imitator aller Zeiten (mit lebendiger Gesichtswarze) und dem im Alpenländischen beliebten Napalm Duo, wird dieser Kurzurlaub für alle Freunde boshaft bissigen Humors mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.
Keine Frage, zweistündige Lachmarathons sind Mundstuhls Spezialität. Vor Publikum offenbaren die hessischen Wortjongleure erst richtig ihr fulminantes Improvisationstalent, das in der deutschen Comedy-Landschaft seines gleichen sucht. Zurecht zählen die Echo-Preisträger mit über 700.000 verkauften Tonträgern, hohen Chartplatzierungen (Top 5 mit „Deluxe“ und der Dragan & Alder Single „Weihnachtsmedley“) und ausverkauften Tourneen heute zu den erfolgreichsten Komikern Deutschlands und zu den wenigen „echten“ und authentischen Live-Acts. Und daran wird sich dank „Alles Inklusive“ auch gewiss nichts ändern.
September 2004