Logokürzel Alte Feuerwache Mannheim

Altin Gün

2. Oktober 2021
Samstag

Einlass 19:00
Beginn 20:00

Ticket
VVK 20 € zzgl. Gebühren / AK 25 €


Die Amsterdamer Band Altin Gün konnte sich mit ihrem Grammy-nominierten zweiten Album Gece einen Namen für die Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart zu brillant eingängiger, beschwingter Popmusik machen. Yol, ihr drittes Album in ebenso vielen Jahren, setzt diesen Trend fort, während es eine Reihe von klanglichen Überraschungen enthüllt.
Es sollte keine Überraschung sein, dass die Band wieder aus den reichen und unglaublich vielfältigen Traditionen der anatolischen und türkischen Volksmusik schöpft. Aber wie vertraut die Geschichte auch sein mag, Yol ist nicht einfach nur eine Platte, die traditionelle Klänge für ein zeitgenössisches Publikum neu interpretiert. Das Album, das oft einen stark internationalen, poppigen Sound präsentiert, signalisiert auch eine ganz andere Herangehensweise beim Machen und Aufnehmen für die Band. Sängerin Merve Dasdemir greift die Geschichte auf: „Wir saßen im Grunde drei Monate lang zu Hause fest und haben Demos gemacht, bei denen jeder seine Parts beisteuerte. Das transnationale Gefühl kommt vielleicht von diesem Prozess des Austauschs von Demos über das Internet, einiges an Musik haben wir im Studio gemacht, aber der Lockdown bedeutete, dass wir einen anderen Ansatz verfolgen mussten.“
Yol zeigt eine spürbare Verträumtheit, die vielleicht aus dieser erzwungenen Zeit zum Nachdenken geboren wurde. Und auch ausgewählte Elemente des „Euro“-Synthiepop der späten 1970er oder frühen 1980er Jahre scheinen durch. Diese neue musikalische Landschaft wurde durch die Wahl bestimmter Instrumente verstärkt, vor allem durch das Omnichord, das in ‚Arda Boylari‘, ‚Kara Toprak‘ und ‚Sevda Olmasaydi‘ zu hören ist, und die Drum-Machine, ein Instrument, das in der wunderschönen Schlussnummer ‚Esmerim Güzelim‘ eine zentrale Rolle spielt. Noch einmal Dasdemir: „Bassist Jasper Verhulst liebte den Song. Er sagte: ‚Das klingt nicht wie Altın Gün, das klingt wie eine türkische Kindergarten-Musiklehrerin aus den 1980ern, die eine 808 benutzt!“
Mit Yol haben Altın Gün vielleicht ihren eigenen magischen Prozess der Neuinterpretation und klanglichen Wegfindung gefunden, wie man ihn wahrscheinlich seit dem britischen Folk-Rock-Boom der späten 1960er und frühen 1970er Jahre nicht mehr gehört hat. Weniger eine Neubearbeitung als eine Verführung, entführen die Aufnahmen den Hörer in eine Welt, in der sich die ursprünglichen Songs nie befunden haben. Noch einmal Merve Dasdemir: „Nachdem wir sie bearbeitet hatten, bekamen sie ein ganz neues Eigenleben. Vielleicht sind wir ein bisschen zu weit gegangen (lacht).“

Merve Dasdemir – vocals, keyboards
Erdinç Ecevit – vocals, saz, keyboards
Jasper Verhulst – bass
Ben Rider – guitar
Daniel Smienk – drums
Gino Groeneveld – percussion